Die Macht der Bilder - im Kopf


Heute ist endlich unser neues Album "Läuft bei euch" erschienen! Darüber freue ich mich mit meinen Freunden zusammen total. Unsere Vorpremiere gestern Abend im "Bergischen Löwen" lässt hoffen, dass es eine richtig gute Tour wird. Es war ein Moment, auf den wir lange hingearbeitet haben.

Dieser Augenblick erinnert mich an einen anderen Moment, als eine lange Reise ihr Ziel erreicht: Nach jahrelanger Planung wird in Prince Albert in Südafrika das "Wise Guys POP Center" eröffnet (POP steht für Path Out Of Poverty, Wege aus der Armut). Sari und ich waren dabei; einige Worte sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Ingrid Lestrade spricht anlässlich der Eröffnung des "Wise-Guys-POP-Centers"

Ingrid Lestrade spricht anlässlich der Eröffnung des "Wise-Guys-POP-Centers"

Hunderte Kindern des Townships 'Prince Albert' lauschen gebannt, während Ingrid Lestrade aus ihrer Kindheit erzählt - die jetzige Managerin von "Path Out Of Poverty". Sie hat damals oft tagelang ohne Essen und Trinken auskommen müssen, einmal musste sie als Jugendliche 17 Tage am Stück hungern.

Eines war entscheidend, der Grund, dass sie nicht verhungerte: Ihre Vorstellungskraft.

Ingrid saß vor einem leeren Teller und einem leeren Becher. "Nur" in ihrem Geist füllte sie den Teller mit schmackhafter, nahrhafter Kost, schnupperte daran, füllte ihren Mund, genoss das leckere (vorgestellte) Essen. Sie füllte ihren Becher - mit reiner Imaginationskraft - und trank.

Und es geschah eine Art Wunder: Sie wurde satt, ihr Hunger wurde gestillt und ihr Durst gelöscht.

Ingrids Worte inspirieren auch die Besucher aus Deutschland.

Ingrids Worte inspirieren auch die Besucher aus Deutschland.

Ingrid erzählt diese Geschichte, um zu beleuchten, wie die Gedankenkraft einiger weniger Menschen, die sich ein Zentrum für Jugendliche in diesem abgelegenen Ort vorstellten, letztlich dazu geführt hat, dass das POP-Center in Prince Albert eröffnet werden kann. Auch dank zahlloser 2-Euro-Spender in Deutschland, die die Vision einer besseren Welt teilen, haben dort jetzt mehrere tausend Kinder Zuflucht vor häuslicher Gewalt, eine Alternative zu Verwahrlosung und Hunger.

(Wenn du noch kein 2-Euro-Spender bist, kannst du das jetzt über diesen Link nachholen.)

Das Publikum! Die Kinder - und dahinter die Mitarbeiterinnen - freuen sich über ihr neues "Zuhause" in Prince Albert.

Das Publikum! Die Kinder - und dahinter die Mitarbeiterinnen - freuen sich über ihr neues "Zuhause" in Prince Albert.

Unsere Vorstellungskraft hat mehr Macht, als wir ihr manchmal zutrauen. Im Kleinen und im Großen. Wenn Nelson Mandela kein Bild eines befreiten Südafrikas gehabt hätte, wäre das Ende der Apartheid nie so relativ friedlich abgelaufen. Natürlich mussten auch hier eine Menge andere Faktoren zusammenkommen. Aber es war entscheidend, dass jemand eine Zielvorstellung hatte.

Ingrid Lestrade ist ein lebendes Beispiel dafür, was die Vorstellungskraft von einzelnen Menschen bewegen kann. Wir brauchen Bilder in unseren Köpfen - von unserem Leben, wie wir es uns wünschen. Von einer Gesellschaft, die friedlich zusammenlebt und Flüchtlinge willkommen heißt. Lachende Gesichter, Großzügigkeit, viel Zeit zusammen. Bilder von gutem Zusammenleben auch mit Pflanzen und Tieren. Meiner Meinung nach helfen uns diese Bilder, nicht ohne Anstrengung, aber vielleicht ohne Gewalt das Richtige zu tun - auch wieder im Kleinen und im Großen.

Bäume kurz vor dem Einpflanzen - Innenhof einer Grundschule in Südafrika Wer einen Baum pflanzt, tut das in aller Regel mit einer Vorstellung davon, wie ein großer Baum mal aussehen wird. Wachsen wird der Baum dann ganz alleine.

Bäume kurz vor dem Einpflanzen - Innenhof einer Grundschule in Südafrika

Wer einen Baum pflanzt, tut das in aller Regel mit einer Vorstellung davon, wie ein großer Baum mal aussehen wird.
Wachsen wird der Baum dann ganz alleine.

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