Ich habe vor wenigen Tagen zum ersten Mal einen Workshop zum Thema "Stimme und Stress" gehalten. Wie hängen der Gebrauch der Stimme, die eigene Stimmung, der empfundene Stress zusammen? Wie kann ich lernen, meine Stimme ermüdungsfrei zu gebrauchen und dabei auch angenehmer "rüberzukommen"?

Dieses Flipchart erwartete die Teilnehmerinnen des Workshops zum Thema "Stimme und Stress".

Dieses Flipchart erwartete die Teilnehmerinnen des Workshops zum Thema "Stimme und Stress".

Das ifb (Institut für Betriebsräte) hatte mich eingeladen, bei einer Fachtagung für Betriebsrätinnen in Leipzig Anfang Oktober zum Thema zu referieren. Ich bereitete den Workshop gemeinsam mit Erik Sohn vor, unserem Gesangscoach bei den Wise Guys, mit dem mich eine langjährige Freundschaft verbindet. Erik hielt dann in Leipzig parallel den gleichen Workshop; wir erarbeiteten jeweils viermal dreieinhalb Stunden mit je ca. 16 Betriebsrätinnen Strategien, wie wir mit Stress umgehen können, und wie sich d as auf die Stimme auswirkt - und umgekehrt.

Ich hatte 2011 eine Stimmkrise (dokumentiert in meinem Buch "Jetzt ist deine Zeit"): Während einer Wise-Guys-Show platzte mir ein Äderchen in einem Stimmband. Verlust der Stimmkontrolle, ich musste mehrere Konzerte absagen. Im Nachgang nahm ich logopädischen Unterricht in Köln bei Joerg Meuther in seiner "Praxis für Stimmtherapie". Seine Methode (die sog. "Lichtenberger Schule") lehrte mich unter anderem, dass ich mich beim Singen zu sehr auf die Brustatmung verlassen hatte, was zu druckvollem Singen, fast Schreien führt.

Stattdessen erlaube ich dem Zwerchfell, sich zu lösen. Nach jedem Satz, nach jeder Melodie darf es sich lösen, nach unten - dann fällt Luft in die Lunge. So aktiviert sich das parasympathische oder "Sammler"-Nervensystem, nicht so sehr das sympathische oder "Jäger"-System, das von der Brustatmung gespeist wird. Das war für mich eine so elementare Lernerfahrung, dass ich bereits nach der ersten stimmtherapeutischen Stunde mittels "Sammler"-Atmung spürbar viel leichter durch die Wise-Guys-Konzerte durchkam als vorher.

Nun war es mein Ziel, auch mit den Teilnehmerinnen beim Workshop dieses Lösen, diese Zwerchfell-Atmung zu üben.

Zwerchfell-Atmung. Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Zwerchfell

Zwerchfell-Atmung. Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Zwerchfell

Später im Workshop beschäftigten wir uns mit "Glaubenssätzen" oder "Beschränkern". Das sind Sätze, die wir halbbewusst vor uns hindenken, die uns prägen, die uns oft in der Kindheit eingeredet wurden und die uns noch als Erwachsene beschränken. (Die Arbeit mit "Glaubenssätzen", "Antreibern" und "Erlaubern" ist mir aus meiner Coaching-Ausbildung bei Armin Rohm vertraut, die ich letztes Jahr begonnen habe und die noch bis September 2017 läuft.)

Ein Beispiel für einen stimmbezogenen beschränkenden Glaubenssatz: "Ich kann nicht singen". Das denken leider Viele - oft wurde ihnen als Kind von Eltern, Lehrern oder Klassenkameraden gesagt, sie könnten nicht singen, und sie haben das übernommen. Dabei kann jede(r) singen!

Im Stimmworkshop haben wir uns hauptsächlich auf solche stimm-bezogenen Glaubenssätze bezogen. Diese Arbeit funktioniert jedoch auch bei viel allgemeineren Beschränkern oder "Antreibern". Viele von uns denken oder empfinden beispielsweise Antreiber wie "Sei perfekt" oder "Mach schnell". Mein persönlicher Antreiber ist: "Sei gefällig, mach es allen recht".

Es gibt ein Gegenmittel, das sind sogenannte "Erlauber" - Sätze, die uns befreien, wenn wir sie im Unterbewussten verankern. "Ich singe gerne" kann so ein Erlauber sein - die Formulierung ist sehr individuell, sie sollte emotional bei dir "klicken", wenn du eine suchst. Sie funktioniert am Besten, wenn sie positiv und in der Gegenwartsform formuliert ist. Mein befreiender Erlauber ist beispielsweise "Ich gebe meinen Bedürfnissen Raum".

Ein paar Beispiele für stimmbezogene Glaubenssätze (rot: Beschränker; grün: Erlauber) am Flipchart.

Ein paar Beispiele für stimmbezogene Glaubenssätze (rot: Beschränker; grün: Erlauber) am Flipchart.

Der Erlauber kann am Besten im Unterbewusstsein verankert werden, wenn ich ihn mir immer wieder selbst vorsage, etwa morgens und abends. Dabei blicke ich mir im Spiegel in die Augen und spreche mit fester Stimme.

Der letzte Baustein des Workshops war eine Achtsamkeitsmeditation, die dazu dient, eine stressreiche Situation vorzubereiten. Meine Erfahrung z. B. mit Lampenfieber ist diese: Wenn ich in einer ruhigen, zentrierten Verfassung eine schwierige Situation in meinem "inneren Kino" durchlebe und durch-atme, nehme ich einen guten Teil des Stresses (vor)weg. Der Körper weiß einfach schon: Das überlebe ich. Dann kann ich in der echten Situation an die ruhige Atmung denken, an meinen Erlauber, an andere Strategien, die mir helfen. Ich habe sie ja geübt.

Wenn du diese Übung als mp3 herunterladen möchtest, findest du sie hier: eddiswelt.com/downloads.

Ich bin schon gefragt worden, ob ich diesen Workshop nochmal in einem öffentlichen Rahmen gebe. Falls ja, gebe ich das natürlich gerne hier bekannt. Im Moment ist das nicht geplant: Vorerst konzentriere ich mich auf die Wise-Guys-Abschiedstour - und auf das Vorbereiten meines Soloprogramms. Damit habe ich schon alle Hände voll zu tun! ;)

Solltest du diesen Blog-Post kommentieren und/oder liken wollen, kannst du das gerne tun. Einen schönen Herbsttag und alles Gute, herzlich

Eddi

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